Topes de Collantes – Bericht einer Kaffeefahrt

Einer der Ausflüge die ein Tourist in Trinidad unternommen haben muss, ist die Tagestour in den angrenzenden kubanischen Urwald – Topes de Collantes.

Es gibt mehrere Touren mit jeweils variierender länge und verschiedenen Themenschwerpunkten. Da ich keine Seilbahn fahren wollte und mir zwei Tage Wanderung durch die Berge etwas exzessiv schienen wurde mir Parque Guayana empfohlen.

Gemütlich, innerhalb eines Tages, geht es auf 800 m hinauf zu den Kaffee- und Bananenbäumen. Dort geht es ein paar Kilometer auf ausgetretenen Touripfaden auf und ab durch den Urwald, während der Guide auf Englisch und Spanisch sein Wissen über Kaffeeanbau und Herstellung zum Besten gibt.

Highlight des Ausflugs sind die Wasserfälle an denen der Pfad vorbei führt, sowie ein kleiner Bergsee, in dem in eiskalten frischen Bergwasser gebadet werden kann.

Soweit die Ankündigung durch die staatliche Reiseagentur Cubatur, über die der Ausflug gebucht werden kann.

Es geht los

Gleich zu beginn wird klar, dass hier mehr als nur ein Tagesausflug gebucht wurde. In einer uralten Sowjetkarre, der Sitze auf die Ladefläche geschweißt, wurde ging es in die Berge.

Unser Explorermobil

Weil die Steigungen wirklich enorm sind, schleicht sich ab und zu unweigerlich die Befürchtung in den Kopf, dass der Wagen gleich einfach nach hinten umkippen könnte und wir leider den Berg auf dem Dach liegend wieder hinunter rutschen werden. Verstärkt wird dieses Unbehagen noch durch das Brüllen der alten Dieselmaschine, die dem Schrei eines Tyrannosaurus Rex in nichts nachgestanden haben kann und nur mit diesem verglichen werden kann. Das Rasenmäher Taxi schlägt den LKW höchstens in der Schrille seines Daseins, kann mit der Lautstärke aber nicht mithalten.

Gelegentliche Schaltfehler des Fahrers bedeuten apruptes stehenbleiben und gekonntes Anfahren am Berg. Das wird jedes Mal durch eine dicke schwarze Rußwolke begleitet, die auch dem letzten Lebewesen des Urwalds das Nahen dieses Ungetüms signalisiert. Den Geruch von schlecht verbranntem Diesel in der Nase stecke ich mein Handy lieber in den Rucksack. Ich habe Sorge, dass es aufgrund der Steigung aus der Tasche fällt.

Auf knapp 800 m machen wir einen Zischenstopp und erfahren die ersten Fakten über die Herstellung von Kaffee. Der wird überall anders schlecht gemacht. Nur auf Kuba wird es richtig gemacht. Deshalb ist der auch so Teuer! Wie praktisch, dass neben den überresten einer alten Kaffeemanufaktur gleich das Case del Cafe steht, in dem man den Kaffee gleich mal probieren kann – für nur 3 CUC (3 Euro).

Kaffeebohnen vor dem Trocknungsprozess
Ausblick auf den noch verregneten frühen Morgen

Bevor wir weiter fahren dürfen, sollten alle dem Guide ihr Herkunftsland verraten, was dieser durch ein paar lobende Worte für das jeweilige Land quittierte – Deutschland: tolles Bier (Gähn). Als sich zwei Israelis vorstellten, offenbarte der Guide jedoch einen ersten Eindruck was wir in den nächsten 6 Stunden an Verrücktheit von ihm erwarten durften. Israel, so wußte er zu berichten, sei sowieso das beste Land und schließlich seien die beiden Anwesenden ja auch im Gewissen Sinne überlebende einer jahrtausende anwährenden Verfolgung. Überhaupt, wenn man sich nur vorstellt, dass der Sechs-Tage Krieg alleine durch ein paar verirrte Wanderer in der Wüste ausgelöst wurde, die eigentlich nur auf der Suche nach einem guten Anbaugebiet für Wein in der Wüste gewesen seien. Pathetisch schüttelte er der Dame die Hände. Betretenes Schweigen herrscht im Wagen, nur unterbrochen durch verwirrt dreinblickende Franzosen, deren Englisch nicht sehr gut war und die sich einander sichtlich verdutzt versicherten, dass sie das gerade gesagt bestimmt richtig verstanden haben. Heute, so fuhr der Guide fort sei das unmöglich. Denn vor ein paar Jahren haben die Israelis einen Weg gefunden Wein in der Wüste zu kultivieren. Es sei also unsinnig deswegen wieder einen Krieg zu beginnen.

Der aufheulende Motor unterbricht die Stille und wir fahren weiter. Diesmal nur gute 10 Minuten, denn wie zufällig kommen wir an einem Verkaufsstand vorbei, an dem wir jetzt die Möglichkeit hätten den sonst so teuren Kaffe günstig, direkt beim Erzeuger zu kaufen.

Idyllischer Laden mitten im Urwald

Doch nicht nur Kaffee gibt es hier. Nein, auch die kleinste Ananas der Welt . Ziemlich frisch und direkt vom Erzeuger. Und schließlich, führte der Guide weiter aus heile diese Pflanze auch Krebs. Er wüsste es zwar nicht genau, aber wenn die Leute das sagen, dann würde da ja vielleicht auch was dran sein.

Angekommen

Nach weiteren 15 Minuten Fahrt kommen wir am Ausgangspunkt unserer Wanderung an. Von hier geht es zu Fuß etwa 3 km durch den Dschungel.

Nicht jedoch ohne eine unendliche lange Unterbrechung durch unseren Guide, der zwar zunächst interessante Fakten über Kaffeebohnen und deren Symbiose mit Bananenbäumen erzählte, dann jedoch vollends abdriftete. Kaffeebohnen, so referierte er Heilen in Kombination mit Limettensaft Asthma. Ein Leben lang. Und wer etwas Honig in seinen Kaffee gibt, der wird nach nur 6 monatiger Anwendung dauerhaft Kopfschmerzen und Migräne los. Ein Bier am Tag hingegen würde beim Abnehmen helfen, aber nur wenn es in Kombination mit mindestens 3 Kaffee getrunken wird, da dieser bei der Verdauung der oxide helfen würde.

Es gibt im Prinzip nichts was Kaffee nicht heilen kann. Schließlich sei er potenter als Heroin und mache daher auch wesentlich glücklicher. All diese Behauptungen wurden mit allerlei chemischen Formeln und Anti-Oxidanzmitteln und so weiter untermalt. Nach einigem halblaut geflüstertem Französisch, dass ohne Zweifel erneut zur Bestätigung der Korrektheit des gerade gehörten diente, musterte eine der jungen Frauen den Guide mit einem derjenigen abschätzigen Blicke, wie ihn nur zutiefst misstrauische Pariser Damen aufzulegen im Stande sind.

So waren sich am Ende trotz der Sprachbarriere eigentlich alle sicher, dass er das gesagte entweder tatsächlich ernst meinte oder einfach im Laufe der Jahre immer mehr Unfug zu seinem Vortrag hinzugefügt hat und es jetzt langsam auffällt. Auf jeden Fall aber war es nicht wahr.

Kaffeebäume zwischen schatten spendenden Bananenbäumen.

Im Anschluss hielten sich die Reden des Herren jedoch zum Glück in Grenzen und er beschränkte sich im wesentlichen darauf uns verschiedene Details in der schönen Natur zu zeigen

Nach etwa 1,5 Stunden Wanderung hielten wir dann an einem kleinen Bergsee an, in dem wir kurz schwimmen gehen konnten. Das Wasser war super kalt, was tatsächlich sehr angenehm war und eine dringende Abkühlung gebracht hat.

Ein weiterer Verkaufsladen bot Abkühlung mit kühlen Cocktails für nur 2 CUC das Stück.

Der Händler und sein Alkohol auf Pferden

Da wir die letzte Gruppe des Tages waren schloß der Stand direkt nach uns und wir wurden auf dem engen Pfad von ihm und seiner Ware überholt.

Abgeschloßen wurde der Trip durch ein Essen in einem Restaurant am Ende der Route. Von dort ging es in unser Biest, das sich nun mit beängstigend laut quitschenden Bremsen den Weg herab bahnte, den es sich am Morgen heraufgeschrien hat. Beunruhigend auf der Fahrt war die Abwesenheit der Bremsgeräusche, weil nie ganz klar war ob die Bremsen nun versagt haben, oder wir uns Rollen lassen um genug Schwung für den Weg hinauf zu holen. Bei den engen Serpentenien grenzte es an ein Wunder und einen wohl ziemlich geübten Fahrer, dass unser Stahlkoloss bei gut 70 km nicht einfach aus der Kurve in den Abgrund stürzte.

Ein Abenteuer geht auf einer Aussichtsplattform dem Ende zu, super gelegen neben einer Snackbar. Hier gibt es die letzten Bilder.

Auf dieser Reise lernte ich ein nettes Pärchen aus London kennen, Wyatt und Katrina, mit denen ich das nächste Abenteuer – Essen auf Kuba – bestritt. Wir haben uns so gut verstanden, dass wir uns kurz vor ihrere Abreise auch in Havanna noch einmal treffen werden.

Am Abend den Trip reflektierend sagte ich den beiden, dass wir im deutschen einen Begriff für diese Art Trip haben. Wir nennen es Kaffeefahrt, wenn man sich vorgeblich auf eine Reise begibt, dessen einziges Ziel es jedoch ist den Teilnehmenden bei jeder Gelegenheit irgendeinen Kram anzudrehen. Ein äußerst passender Begriff für den heutigen Tag.

Was bleibt sind jedoch vor allem die Eindrücke der unglaublich schönen Natur, der Erinnerung an den kalten Bergsee und einen schönen Tag bei schönem Wetter an dem ich wieder mal tolle Leute kennengelernt habe.

4 Gedanken zu “Topes de Collantes – Bericht einer Kaffeefahrt

  1. Avatar von Heike Schenk Heike Schenk 30th Januar 2020 / 7:58 am

    Beeindruckende Bilder.
    Für die Menschen vor Ort die wohl einzige Möglichkeit den Touris ein bissl Kohle aus der Tasche zu ziehen :). Schön, dass du heil wieder angekommen bist.

    Like

    • Avatar von Sebastian Sebastian S 30th Januar 2020 / 3:22 pm

      Ich habe gestern einen Kubaner kennengelernt, der nun immer bezahlt und jetzt kostet alles nur die Hälfte wenn überhaupt. Ein Taxi kostet nun nur noch 1 Euro statt 10.

      Like

  2. Avatar von Clemens Clemens 9th Februar 2020 / 5:49 pm

    Eins muss man lassen, die Tagesgestaltung war doch eine Meisterleistung an zeitlicher Effizienz. Du hast nicht nur ein ausgeprägtes Sportprogramm durchgemacht, sondern auch noch einen Abenteuertrip sowie einen Besuch im „Märchenland“ gemacht. Mir stellt sich die Frage, ob der werte Herr sich dem Stuss bewusst ist, den er redet.
    Die Bilder der Tour sind auf jeden Fall herausragend!

    Like

  3. Avatar von Valentina Valentina 29th Januar 2022 / 3:00 pm

    Ich habe herzlich gelacht! Großartig geschrieben!

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Clemens Antwort abbrechen